Innung der Metallhandwerke Bersenbrück

Zurück zur Übersicht

Mit eisernem Willen und Leidenschaft ans Ziel

Alisa Oevermann startet trotz Lernbehinderung auf ganz spezielle Art durch

Bramsche-Lappenstuhl (-ht-). „Wir alle glauben fest daran, dass sie die Gesellenprüfung zur Feinwerkmechanikerin schafft“, sagt Thomas Feik, Firmenchef von Maschinenbau Feik GmbH & Co. KG in Bramsche-Lappenstuhl. Die Rede ist von der siebzehnjährigen Alisa Oevermann, die aufgrund ihrer Vorgeschichte einen schweren Start in das Berufsleben hat. Aber mit den richtigen Ideen und engagierten Wegbegleitern lässt sich so manche Hürde meistern, wie dieses positive Beispiel aus dem Handwerk deutlich machen soll.

Alisa ist eine offene, kontaktfreudige Person, mit der alle „ganz normal“ umgehen. Sie muss aber aufgrund einer angeborenen neurologischen Erkrankung und der mit der medikamentösen Behandlung zusammenhängenden Folgeschäden leben, die sich vor allem in einer schulischen Lernschwäche bemerkbar machen. Sie besuchte daher eine Förderschule und stand nun wie alle jungen Menschen vor der Frage, wohin die Reise beruflich gehen soll. Den insbesondere bei Mädchen oft gehegten Wunsch einmal Tierpflegerin zu werden, hatte sie spätestens verdrängt, als sie in der Anne-Frank-Förderschule über den Werkunterricht mit Holz und vor allem Metall in Kontakt kam. Während der Absolvierung eines so genannten Berufsorientierungs-parcours in Bramsche und einem Praktikum bei der Firma Feik machte sie einen derart positiven Eindruck, dass die Firma Feik mit ihr im August letzten Jahres einen Lehrvertrag zur Feinwerkmechanikerin abschloss. In der betrieblichen Praxis lief für Alisa alles wie geschmiert.

Doch ganz so selbstverständlich und störungsfrei konnte der berufliche Karriereweg im Handwerk nicht fortgesetzt werden. „Alisas Schulleistungen reichten aufgrund ihrer Lerndefizite leider bei Weitem nicht aus“, bedauerte Thomas Feik. Der Ausbildungsvertrag wurde zu Jahresbeginn auf „Fachkraft für Metalltechnik“ umgeschrieben, um die Anforderungen zu reduzieren. Doch trotz begleitender Basis-Nachhilfe schien auch hier das berühmte Ende der Fahnenstange erreicht. Die Vertragsauflösung stand bevor.

Eine erneute Wende zum Positiven erfuhren die Ausbildungsbestrebungen Ende Mai 2015. Petra Künsemüller aus dem BAG-Projekt „Wirtschaft inklusiv“ wurde auf Alisa aufmerksam und hatte offensichtlich den richtigen Blick für die Situation. Sie vermittelte den Teenager zum Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte nach Osnabrück. Auch als Nichthörgeschädigte erhält sie dort donnerstags und freitags allgemeinen und fachlichen Unterricht, der aufgrund der professionellen sozial- und berufspsychologischen Betreuung in einer Vierergruppe besonders intensiv und effektiv ausfällt. Dieses Zentrum scheint die Rolle der „normale Berufsschule“ sehr gut übernehmen zu können.

Sogar einige Zeichen der Gebärdensprache lernt Alisa, die sich an der August-Hölscher-Straße sehr wohl fühlt, so ganz nebenbei mit. Noch viel lieber verweilt die geborene Praktikerin jedoch von Montag bis Mittwoch im Betrieb von Thomas Feik, der sehr glücklich ist, den Lehrvertrag nun mit ihr und dem ursprünglichen Ausbildungsziel „Feinwerkmechanikerin“ fortsetzen zu können. Am Jahresende soll eine Zwischenbilanz gezogen werden, um zu entscheiden, ob es so oder in abgeänderter Form weitergeht.

Voll des Lobes über Alisa, die sich sehr patent anstellt und sich nahtlos in das Maschinenbau-Team bei Feik einfügt, sind auch Werkstattleiter Stefan Brune und ihr Ausbilder Alexander Wietmaier. Alisa gibt die Komplimente gern zurück: „Alle sind hier sehr hilfsbereit und es macht total viel Spaß. Früher hatte ich richtige Ängste, weil ich nicht schnell genug mitkam, aber inzwischen gehe ich sehr gern zur Schule und vor allem in den Betrieb“. Dabei kommt der sympathischen „Azubine“ auch zugute, dass in allen Lehrjahren ein Auszubildender bei Maschinenbau Feik tätig ist und schon ein Stück weit in die Zukunft blicken lässt. „An Lisas Beispiel sieht man, was im Interesse unseres beruflichen Nachwuchses erreicht werden kann, wenn alle an der Ausbildung Beteiligten an einem Strang ziehen und sich keine bürokratischen Hemmnisse vor einem aufbauen“, freut sich Thomas Feik. Er trage diese Verantwortung sehr gern und schöpft daraus auch zusätzliche Motivation für sein Ehrenamt als Lehrlingswart der Innung der Metallhandwerke Bersenbrück. Wer Alisa kennen gelernt hat und sieht, mit welcher Begeisterung sie bei der Sache ist, der muss ihr einfach die Daumen drücken, dass sie bald den ersehnten Gesellenbrief in ihren geschickten Händen halten kann.

Fotos: Herbert Tiemann

 

 

Den richtigen
Handwerker finden

zuklappen

Suchen

Finden Sie Ihren Handwerker - einfach gewünschte Leistung oder Firmenname eingeben!

Optional können Sie Ergebnisse nach Entfernung einschränken: