Hin und Her ist „sehr störend“
Mit Reform des „Heizungsgesetzes“ sind Öl- und Gasheizungen wieder erlaubt / Was sagen Handwerker aus der Region dazu?
Es war eines der umstrittensten Gesetze der Ampelregierung: das „Heizungsgesetz“ des damaligen Ministers Robert Habeck. Dieses sieht unter anderem vor, dass keine reinen Öl- und Gasheizungen mehr neu eingebaut werden dürfen. Dies soll dabei helfen, die deutschen Klimaschutzziele einzuhalten.
In dieser Woche hat die aktuelle rot-schwarze Regierung eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes, wie das Heizungsgesetz eigentlich heißt, vorgestellt. Geplant sind Veränderungen an entscheidenden Stellen des Gesetzes. Was aber halten Experten von den Vorschlägen?
Wir haben Peter Möhle, stellvertretender Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Osnabrück-Stadt, und Carsten Luttmann aus Georgsmarienhütte, Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Klempnertechnik Osnabrück-Land, um ihre Einschätzung gebeten.
So bewerten die Experten die geplante Gesetzesreform
„Aus fachlicher Sicht ist die Technologieoffenheit zu begrüßen“, sagt Carsten Luttmann. Er und seine Kollegen könnten die Heizungsanlagen dadurch für den Kunden individuell so planen, wie es technisch und wirtschaftlich am sinnvollsten sei. Die Umsetzung der 65-Prozent-Regelung sei in der Praxis oft nur schwierig oder gar nicht möglich. Als Beispiel nennen die Experten Mehrfamilienhäuser mit wenig Platz für die Aufstellung der Technik oder mit Einzelheizungen. „Durch die Streichung dieser Regelung ist die Technologieoffenheit gegeben und mehr Flexibilität in der Umsetzung.“
Peter Möhle betont, dass die Sicherheit bei der Förderung von großer Bedeutung sei. „Die zugesagte Finanzierung der Bundesförderung für effiziente Gebäude bis 2029 ist eine wesentliche Voraussetzung für Investitionsentscheidungen von Eigentümern und für die betriebliche Planung im Handwerk.“ Auch der Abbau bürokratischer Vorgaben, die stärkere Technologieoffenheit und die angekündigte Entkopplung einzelner Entscheidungen von der kommunalen Wärmeplanung seien wichtige Schritte.
Warnung vor „Kostenfalle“ durch steigende Energiepreise
Für Hausbesitzer würde die geplante Reform eine größere Wahlfreiheit in der Frage, wie sie heizen wollen, bedeuten. Die beiden Experten machen aber deutlich, dass sie nach wie vor den Einsatz von Wärmepumpen oder anderen CO2-neutralen Heizungsanlagen für am sinnvollsten halten. Und das gleich aus mehreren Gründen. Einerseits sei es anders nicht möglich, die Klimaziele im Gebäudebestand zu erreichen. Und das ist wichtig, denn 2045 will Deutschland klimaneutral sein.
Andererseits warnen die Fachleute vor hohen Kosten bei Gas- und Ölheizungen. „Bei der angekündigten Grüngasquote sind noch viele Details offen“, sagt Möhle. Sicher sei aber, dass grüne Gase deutlich teurer sein werden. Die vorgeschlagene Bio-Treppe betreffe alle Anlagen, nicht nur neu installierte. „So wird der Kostendruck alle Verbraucher treffen, die ihre Wärme mit einer Öl- oder Gasheizung erzeugen.“ Gleichzeitig werde der normale Gaspreis durch die CO2-Abgabe überproportional steigen.
„Der Kunde kann dadurch selbst entscheiden, ob er sein Geld für die bessere Technik ausgibt oder in die Kostenfalle von steigenden Energiepreisen hineintappt“, sagt Carsten Luttmann mit Blick auf die Wahlfreiheit. „Alles spricht für die Wärmepumpe“, erklären beide Experten.
Diese Folgen erwarten die Experten für das Handwerk
Für ihre eigene Branche sei das Hin und Her in dieser Sache „sehr störend“. Heizungsanlagen seien eine Investition für viele Jahre, sagt Peter Möhle. „Daher sind verlässliche Rahmenbedingungen essenziell, damit wir als Betriebe und auch die Industrie sich darauf einstellen können und die Verbraucher richtig und umfänglicher informieren und beraten können.“ Als Folge der Reform sei mit einem erheblichen Mehraufwand durch Beratungsgespräche zu rechnen.
Der Wunsch der beiden Männer für die Reform ist einfach. „Wichtig ist, dass ein Regelwerk entsteht, welches die Modernisierung beschleunigt, Klimaziele erreichbar macht und im Alltag von Betrieben und Verbrauchern funktioniert.“
Textquelle: Johannes Kleigrewe, NOZ vom 02.03.2026
